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Matthias Hickel-Lopez im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Dr. Inge Pett

Wurde Ihnen der Sinn für die Künste bereits in die Wiege gelegt?

Das kann man so sagen. Ich bin in einem äußerst kunstsinnigen Umfeld aufgewachsen. Mein Vater war Buchdruckermeister und Kalligraph, meine Mutter malte Aquarelle. Schon als Zehnjähriger hielt ich mich gerne in der Werkstatt meines Vaters auf und startete dort unter seiner Anleitung erste Graphikversuche.

Außerdem spielte die Musik bei uns eine große Rolle. Meine russische Großmutter etwa beschwor im Klavierspiel die nostalgischen Klänge ihrer Heimat herauf. Eigentlich war bei uns im Haus fast ständig eine Melodie zu vernehmen – kein Wunder, denn jedes von uns sechs Geschwistern beherrschte ein Instrument.

Noch heute male ich meistens bei Musik: Vor allem Jazz und südamerikanische Klänge – ich selber tanze übrigens Tango – fließen in meine Gemälde ein, bestimmen deren „Rhythmus“.

Tatsächlich ist Ihr Farbauftrag virtuos und gestisch, gelegentlich nahezu pastos. Doch wo rührt die intensive Farbigkeit in Ihren Gemälden her?

Vermutlich hängt diese Intensität mit meinen zahlreichen Südamerikareisen zusammen, die mich nachhaltig beeinflusst haben. Bereits als junger Mann reiste ich ein halbes Jahr quer durch den Kontinent, startete in Buenos Aires, fuhr dann nach Brasilien, durchquerte Bolivien, das Andenhochland, Machu Pichu, Cusco, und zog weiter nordwärts durch Peru, Ecuador und Kolumbien bis nach Mexico.

Ich war begeistert von den archäologischen Stätten der Inka, Azteken und Maya, aber auch der grandiosen Natur und der Bevölkerung. Ein Künstler sieht und empfindet anders, intensiver. Ich habe all die Farben, Klänge und Gerüche sowie den Rhythmus der Landschaft in mir aufgesogen. Hunderte von Zeichnungen entstanden während dieser Reisen, die ich später in großformatige Gemälde und Zeichnungen umsetzte.

Ihr Thema ist immer wieder die Frau...

Ja, ich arbeite mit Modellen, meist südlichen Typus´, und stelle die Frauen lebensgroß im realen Stil dar. Mich faszinieren weibliche Schönheit und elegante, tänzerische Bewegungen. Ich achte darauf, die Frauen niemals frivol oder gar pornographisch abzubilden. Dass mir das wohl gelingt, sehe ich daran, dass es vor allem auch immer wieder Frauen sind, die lange vor den Bildern verharren und sich an der Schönheit und dem würdevollen Ausdruck der Modelle erfreuen.

Doch sie arbeiten nicht nur als freier Künstler, sondern fertigen auch Kopien Alter Meister an. Wie schaffen Sie den Perspektivwechsel?

Ein befreundeter Restaurator hat mir einmal gesagt: „Matthias, es ist einfach, in die Kopie eines Alten Meisters reinzugehen, aber schwierig rauszukommen“. Und damit hatte er recht. Ich erhielt 1985 den Auftrag des Heimatvereins Tauberbischofsheim für die Stadtpfarrkirche Kopien von Grünewalds Altartafeln „Kreuzigung“ und „Kreuztragung“ anzufertigen, nachdem ich zuvor sechs Wochen lang Grünewalds Gemälde „Die Verspottung Christi“ in der Alten Pinakothek in München studiert hatte. Ich sah den Auftrag als eine Herausforderung und versenkte mich in Grünewalds Epoche, setzte mich mit den Techniken und Farben, aber auch dem Zeitgeist auseinander. Wieder in der Jetztzeit anzukommen war wirklich nicht leicht. Aber mich hat diese Erfahrung sehr geprägt und weitere Kopien folgten.

Für mich ist es kein Widerspruch, frei zu arbeiten und zu kopieren, im Gegenteil, ich freue mich, wenn ich durch die Auseinandersetzung mit den großen Alten Meistern mein künstlerisches Spektrum und meine Weltsicht erweitern kann.

Woraus ziehen Sie Ihre Kraft?

Meine Kraft ziehe ich aus dem Reisen und dem Genuss des Sinnlichen und des Schönen, aber auch aus Gesprächen und geistigem Austausch. Ich verstehe meine Arbeit als eine Hommage an die Schönheit. Lebensrhythmus ist für mich Lebenstanz.